Do, 11. März, 19.00 Uhr


D/USA 2018, 76 Minuten, OmU

Regie, Kamera: Rainer Komers

Voiceover: Spoon Jackson

Ton: Michel Klöfkorn

Montage: Gregor Bartsch

Produktion: kOMERS.film, strandfilm


Eine Tür fällt ins Schloss und wird verriegelt. Die Leinwand eröffnet den Blick auf die Weite der Mojave-Wüste. Aus dem Off beginnt eine Stimme zu erzählen. Im dritten Teil seiner Trilogie “The American West” erkundet Rainer Komers den Ort Barstow in Kalifornien. Die Kleinstadt an der Route 66 ist der Geburtsort von Spoon Jackson, dessen autobiographische Erzählung “By Heart” den inneren Pulsschlag des Films bildet. Jackson kennt den Ort seiner Kindheit auswendig. Ein Ort, der so allerdings nur noch in seiner Erinnerung existiert, seit er 1977 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Komers begegnet Menschen, die von der Jagd nach dem amerikanischen Traum ermüdet sind. Er besucht Jacksons Familie und sucht den Ort des Elternhauses auf. Doch dort, wo es einst stand, finden sich nur noch Wüstensand und einzelne Relikte. Komers Kamera findet eindrückliche, präzise Bilder, in denen sich die Gegensätze überlagern. Schönheit und Verfall, die Weite der Natur und die Enge der Haft. Sie überlagern sich wie die Zeit in Barstow, California, dessen Jetzt in der Vergangenheit lebt.

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Preise:
ARTE-Dokumentarfilmpreis, Duisburger Filmwoche 2018; lobende Erwähnung, blicke – filmfestival des ruhrgebiets 2018; Bester Dokumentarfilm, Achtung Berlin 2019; lobende Erwähnung, Lichter Filmfest Frankfurt 2019


Die Frau mit den 5 Elefanten

(Junge doks)

Fr, 12. März, 10.30 Uhr


CH 2009, 97 Minuten,

Buch, Regie: Vadim Jendreyko

Kamera: Niels Bolbrinker, Stéphane Kuthy

Ton: Patrick Becker

Montage: Gisela Castronari-Jaensch

Produktion: Mira Film, Filmtank

Redaktion: ZDF/3sat, DRS


Swetlana Geier ist die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche und darüber hinaus eine überaus charismatische Gestalt. 2008 beendete die 85-jährige ihr Lebenswerk mit der Neuübersetzung der fünf großen Romane von Dostojewskij, die sie die „fünf Elefanten“ nannte. Als junge Frau hatte sie als Dolmetscherin für die deutsche Wehrmacht im besetzten Kiew gearbeitet, bevor sie die Ukraine 1943 mit den deutschen Truppen verließ. Zum Ende ihres Lebens kehrt Swetlana Geier an die unbetretbaren Orte ihrer Geschichte zurück. Der Film verwebt ihre Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlich tätigen Frau nach.

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Preise:
Prix Image, RIDM Montréal 2010; Sterling Award for Best World Feature, Silverdocs 2010; Alpe Adria Cincema Award, Trieste Film Festival 2010; Grand Prix SSA und Prix SRG SSR idée suisse, Visions du Réel 2009; Award of Excellence, Yamagata Int. Documentary Film Festival 2011


Anhand von Briefen, Fotos, Tagebucheinträgen und Schulaufsätzen führt Thomas Heises Film durch nahezu ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte, gebrochen durch die Biographien der eigenen Familie. Politische Systeme kamen und gingen, der Zweite Weltkrieg folgte auf den Ersten. Mittendrin und dazwischen persönliche Geschichten von Liebe, Verfolgung, politischen Überzeugungen. So entrollt sich über vier Generationen hinweg das Panorama einer (ost-)deutschen Heimat, mit Wurzeln im Wiener Kaiserreich und Verästelungen in die Bundesrepublik der Nachkriegszeit. Über die Zeitläufe schieben sich Orte und Landschaften. Die Schwarzweißaufnahmen, die wir sehen, illustrieren nicht. Vielmehr bilden sie einen Strom aus Bildern, der uns durch die Geschichte trägt und das Vergangene vergegenwärtigt. Gleichermaßen bleiben in den Texten wie auch Bildern die Spuren und Narben vergangener Epochen erkennbar. Ein unauflösbarer Rest indes bleibt immer. Ein ebenso epischer wie sinnlicher Film, der jede seiner 218 Minuten wert ist.

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Preise:
(Auswahl) Caligari-Filmpreis 2019; Meilleur long métrage de la Compétition Internationale, Visions du Réel Nyon 2019; Deutscher Dokumentarfilmpreis 2019; Special Jury Prize - International Feature RIDM Montréal 2019; Bester Dokumentarfilm, Preis der deutschen Filmkritik 2019


Polen, im Sommer 2016. Die PiS-Partei regiert und Tante Danuta bereitet ihre Goldene Hochzeit vor. Nichte Ola, in Deutschland aufgewachsen, reist dafür nach Warschau. Die exzentrische Matriarchin ist begeistert von der neuen Regierung. Die Nichte widerspricht. Was als typische Auseinandersetzung zwischen dem konservativen Alter und der liberalen Jugend beginnt, wird bald zum familiären Kulturkampf. Denn Olas gesamte polnische Verwandtschaft ist rechtsnational gesinnt. Ola ist Alexandra Wesolowski, die Regisseurin des Films. Die Kamera beobachtet sie bei der Begegnung mit ihrer Familie und dem daraus entstehenden politischen Diskurs. Sie hört zu und fragt nach, widerspricht und will verstehen. Während die polnische Familie Olas liberale und säkulare Weltsicht auf westliche Medienpropaganda schiebt, steht diese den Äußerungen ihrer Cousins und Tanten zunehmend sprachlos gegenüber. Politische Meinungen werden zu ideologischen Gräben. Worte werden immer mühsamer und nutzloser, bis eine Verständigung schließlich unmöglich erscheint. Ein Film, der weit über das Familienportrait hinaus etwas über den europäischen Rechtspopulismus der Gegenwart erzählt.


Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern, und doch bleibt sein Werk vielen verschlossen. Rätselhaft, weihevoll, mythisch verschlüsselt, so das Image. Harald Bergmann öffnet auch Nichteingeweihten einen Zugang zu Friedrich Hölderlin, indem er das, was Menschen an ihm und seiner Dichtung fasziniert, zum Fokus seines Films macht. Ein Philosoph, ein Hirnforscher, ein Hölderlin-Herausgeber und -Entzifferer, ein Komponist, eine Germanistin und ein Schauspieler – sie alle kreisen, von Leidenschaft getragen, um „ihren“ Hölderlin. Der Regisseur setzt die verschiedenen Perspektiven in einen filmischen Dialog mit Landschaften, Musik oder eigentümlichen Begegnungen. Eine überraschend leichtgängige Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn, punktgenau zum 250. Geburtstag Friedrich Hölderlins.


Reiseschriftsteller, Fotograf und Filmemacher – der Schweizer René Gardi prägte das Afrikabild der Nachkriegszeit entscheidend mit. Seine Bücher wurden in Dutzende Sprachen übersetzt, seine Filme liefen auch im japanischen oder britischen Fernsehen. Während in Europa alles schneller, komplizierter und schwieriger wurde, war der afrikanische Kontinent das genaue Gegenteil: frei, wild und schön. So zumindest wollte es Gardi sehen, und mit ihm auch sein Publikum. Jahrzehntelang reiste er immer wieder nach Afrika, filmte, fotografierte und führte Tagebuch. Er konstruierte für die Zuhausegebliebenen einen Sehnsuchtsort und kolonialisierte jene Welt so mit seinen Bildern. Indem Mischa Hedinger geschickt das Film-, Ton- und Textmaterial aus Gardis Archiv kompiliert, legt er nicht nur Gardis hegemoniale Bilderproduktion offen. Vielmehr spiegelt sich in dessen ambivalenten Bildern auch vielfach unser europäisches Selbstverständnis. Höchste Zeit, einen Blick in diesen Spiegel zu werfen.

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Sabine und Franz Pirker unterhalten sich. Das wäre an sich keiner weiteren Beachtung wert, wären die beiden Eheleute nicht taubblind. Kommunikation ist für sie nur über den Tastsinn möglich. So bedienen sie sich des von Hieronymus Lorm entwickelten Tastalphabets, Lormen, um zu kommunizieren. Tippend, streichend und wischend werden Buchstaben und Syntax in die Handfläche des Partners geschrieben. Julia Daschners Kamera beobachtet die beiden bei einer Unterhaltung. Die Einstellungen des tastenden Gesprächs sind eng, scharfe Lichtkanten betonen Hände und Silhouetten. In kontrastreichem Schwarz-Weiß werden die schnellen Bewegungen der Finger verfolgt, begleitet von überdeutlichem Ratschen und Schaben. Wir verstehen kein Wort, und kommen dem Austausch doch so nahe, dass wir ihn fast auf der eigenen Haut erspüren können.


Preise:
Bester Film, Blindspot Festival, Hamburg 2004, CILECT AWARD, Festival der Filmhochschulen, München 2005


Ein heißer Sommertag, nichts scheint sich zu bewegen. Nur eine Fliege summt im Hintergrund. Da ploppt auf dem Bildschirm die erste Nachricht auf – und schon entspinnt sich eine dieser gegenwartstypischen Konversationen ohne Gegenüber. „Bin wieder da.“ - „Wollen wir am Freitag zu den Wasserlichtspielen gehen?“ - „Bin jetzt Dammtor.“ Die Unterhaltung über einen Messenger-Dienst ist gespickt von Autokorrekturen, Exkursen und Fehlkommunikation. Inmitten Tausender Menschen schicken Suchende zunehmend verzweifelte Nachrichten in den Äther. Wie kommunizieren wir überhaupt noch mit anderen? Ein amüsiert-nachdenklich stimmendes Fundstück aus dem Alltag.


Seit seinem Schlaganfall ist Herr Müller gelähmt. Nur noch einen Daumen und ein Augenlid kann er bewegen, Sprechen ist unmöglich. Frau Müller setzt ihn auf, fährt ihn herum und füllt auch mal ein Bier in seine Magensonde. Trotz der Einschränkung führt das Ehepaar  - das sich selbst „Familie Sonnenschein“ nennt - einen regen, wie auch liebevollen Austausch miteinander. Sie unterhalten sich über Politik, Benzinpreise und über das, was sie aneinander lieben. Herr und Frau Müller haben ihren eigenen Weg gefunden, miteinander zu kommunizieren. So langwierig oder mühsam es auch sein mag, der Gesprächsfaden reißt nie ab. Mit großer Sympathie und durchaus humorvoll zeigt der Film, dass Sprache einen Weg findet, wenn Liebende sich etwas zu sagen haben.


Preise:
Preis Deutscher Wettbewerb, Regensburger Kurzfilmwoche 2017; Preis in der Kategorie Dokumentarfilm, Rotary Club Hofgarten 2017


Über allen Gipfeln ist Ruh‘? Von wegen! Der Mensch und sein Vieh kommunizieren über etliche Höhenmeter hinweg, und zwar jeder mit seinen Mitteln. Die Bergler bedienen sich des althergebrachten Riafn, einer Art Lockruf-Sprache, um miteinander in Kontakt zu treten, aber auch um ihre Tiere zu rufen oder zu lenken. Als Antwort bekommen sie von ihren Ziegen und Kühen klangvolles Glockengeläut. Die Grenzen zwischen Archaik, Alltag und einer ganz eigenen Poesie sind in „RIAFN“ fließend. Hannes Lang durchmisst den Klangraum der Berge und komponiert daraus, mittels einer ausgeklügelten Tongestaltung, eine außergewöhnliche, zuweilen dadaistisch anmutende Alpensymphonie vor majestätischer Kulisse.

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Preise:
(Auswahl): Bester Beitrag des NRW-Wettbewerbs, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 2019; Best Cinematography - First Prize, Rhode Island International Film Festival 2019; Preis für den “Besonderen Film”, Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee 2019; Grand Prix, Eho Mountain Film Festival (2019)


Sieben Männer betreten ein abgedunkeltes Studio: einzeln, hintereinander, jeder für sich. So wie sie ins Leben gekommen sind, betreten sie die Bühne, die Sebastian Winkels ihnen bietet. Ihnen, den sieben Brüdern der Familie Hufschmied aus Mülheim an der Ruhr, geboren zwischen 1929 und 1945. Winkels bereitet ihnen einen Raum, in dem sie, allesamt begnadete Redner, frei erzählen können. So entspinnt sich aus ihren Erzählungen ein Geflecht aus Kindheitserinnerungen und Lebenswegen, Geschwisterrollen und Persönlichkeiten. Generationengrenzen tun sich auf. Manches ähnelt sich, nähert sich an, nur um sich dann wieder voneinander zu entfernen oder im Tiefsten zu unterscheiden. Der Stoff, aus dem Familien sind, entfaltet sich zu einer fesselnden subjektiven Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert.

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Preise:
Nachwuchsförderpreis der DEFA-Stiftung 2003; LÜDIA, Kinofest Lünen 2003; Baden-Württembergischer Dokumentarfilmpreis 2005; Robert Geisendörfer Preis 2005


„Die Partei, die Partei, die hat immer Recht“- so sang man einst in der DDR. Klaus Gysi, der Vater des Regisseurs, dürfte als aufstrebender Kulturpolitiker im SED-Apparat in das Lied seiner Partei eingestimmt haben. Belohnt wurde er dafür mit einer Karriere, als Verlagsleiter, Kulturminister, Botschafter, Staatssekretär für Kirchenfragen. Gysi war ein Meister des geschickten Taktierens im sozialistischen Apparat, gleichzeitig bewunderte man ihn als Intellektuellen von Format. Knapp 20 Jahre nach dessen Tod nähert Andreas Goldstein sich in einem sehr persönlichen filmischen Essay der Rolle seines Vaters innerhalb des politisch-gesellschaftlichen Gebildes DDR, in dessen Dienst Gysi bis kurz vor der Wende stand. Über zahlreiche Fotos aus dem eigenen Archiv, Filmmaterial aus dem DDR-Fernsehen sowie Aufnahmen aus Ostberlin legt sich sein Kommentartext – subjektiv, scharfsinnig und ohne jede falsche Nostalgie. „Dabei kommt sein produktiv vielfach gebrochener Blick auf den Mann und das untergegangene Land ohne die üblichen Abgrenzungen aus. Das Ergebnis gleicht, wie Goldstein im Film in anderem Kontext einmal sagt, einer höchst aktuellen Flaschenpost aus einer verschwundenen Welt“ (Silvia Hallensleben, epd Film).

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Preise:
Förderpreis der Stadt Duisburg, Duisburger Filmwoche 2018


Ein Wiedersehen nach Jahren der Funkstille. Yasmin und ihre Mutter treffen sich, in einem anonymen Hochhaus mit Blick auf die Nordsee. Mit acht wurde Yasmin aus der Familie genommen, worauf eine jahrelange Odyssee von Heimaufenthalten und Pflegefamilien folgte. Ihre Mutter, selbst schwer traumatisiert, hatte versucht mit Hilfe von Drogen der Realität zu entfliehen und dabei Yasmin und ihren Bruder manchmal tagelang sich selbst überlassen. Jetzt, Jahre später, liegen Hunderte Kilometer Distanz zwischen den beiden. Wie sich nähern? Worüber reden? Erinnerungen, Vorwürfe, Rechtfertigungen, Schweigen - so schmerzhaft die Nähe auch ist, so spürt man dennoch bei beiden eine Sehnsucht, die Sprachlosigkeit zu überwinden und zu einer zaghaften Annäherung zu finden. In langen, ruhigen Einstellungen konzentriert sich die Kamera dabei ganz auf das Gespräch der beiden Protagonistinnen, dessen emotionaler Wucht man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. Ein Film, der noch lange nachhallt.


Preise:
Preise: Grimme-Preis 2018


Ein Haus in einem Dorf am Waldrand – so die Ausgangssituation. Drei Frauenstimmen aus dem Off zeichnen ihr Bild einer Provinzidylle, wo man die Ruhe genießt, den Zusammenhalt lebt und Fremde nichts zu suchen haben. Unterdessen gleitet man in langsamen Kamerafahrten durch einen lichten Grimm’schen Märchenwald, vorbei an kulissenartigen Gebäuden, untermalt von Vogelgezwitscher und Insektensummen. Die Frage, die „Oral History“ vorantreibt, ist die nach dem kollektiven Gedächtnis. Wie lässt es sich abbilden? Welche Fallen verbergen sich in solchen gewachsenen gemeinsamen Vorstellungen? Kamensky interessieren dabei nicht zuletzt die Zwischentöne, das Unterschwellige. Und so lebt dieser Film nicht nur von dem, was ausgesprochen und gezeigt wird, sondern ebenso von dem, was er verbirgt. „Herausgekommen ist ein Heimatfilm über ein wohl merkwürdig vertrautes Land namens Bodenlosigkeit“ (Volko Kamensky).


Preise:
Preisträger Deutscher Wettbewerb, Regensburger Kurzfilmwoche 2010


„Mein Name ist Chon. Ich habe Informationen über den Huichol-Gott, der mein Cousin war.“ Mit diesen sachlichen Worten beginnt eine schier unfassbare Geschichte von Gewalt und Tod. Im Drogenrausch erklärt sich Chons Cousin Faustino der indigenen Bevölkerung seines kleinen mexikanischen Bergdorfes gegenüber zum Gott. Die dadurch gewonnene Macht entfesselt den seit jeher gewalttätigen Menschen und gipfelt in einem Blutbad, dem Chon gerade noch rechtzeitig entfliehen kann. Regisseur Bernhard Hetzenauer legt die nüchterne Erzählung dieser ungeheuerlichen Ereignisse konsequent ins Off. Im Gegensatz dazu stehen die ästhetischen und ruhigen Bilder. In ihnen schaut Chon uns an, stumm und schüchtern. Wir sehen bewaldete Berge sowie die kargen Hütten des Dorfes und ihre Bewohner. Der Riss, der sich zwischen den flirrenden, körnigen Schwarzweißbildern und dieser apokalyptischen Geschichte auftut, lässt sich kaum kitten, doch genau daraus bezieht der Film seinen faszinierenden Sog.

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Preise:
(Auswahl): Local Artists Innovative Film Award, Crossing Europe 2018; Mejor Cortometraje Mexicano Documental, Shorts Mexico 2018; zeitimpuls Open Award, zeitimpuls shortfilm Festival, Wien 2018


Eine alte brasilianische Sage besagt, dass „saudade“ von den afrikanischen Göttern erfunden wurde, damit die versklavten Menschen nicht vergessen, woher sie kommen und wer sie sind. Im Deutschen gibt es keine Entsprechung für dieses Wort – Sehnsucht und Wehmut klingen darin an, Melancholie und der Verlust von Liebgewonnenem. „Saudade“ bildet den roten Faden der berührenden Familiengeschichte der afro-brasilianischen Regisseurin. Denize Galiao reist aus ihrer neuen Heimat Deutschland nach Hause, da ihre Eltern beide einen Schlaganfall erlitten haben und ihr Vater nach und nach seine Erinnerung verliert. Doch in Porto Alegre, der Stadt ihrer Kindheit, hat sich viel verändert. Die alte Nachbarschaft gibt es so nicht mehr, die Gentrifizierung hat sich das Viertel zu großen Teilen einverleibt. Mit atmosphärischen Bildern taucht der Film tief in Galiaos Gefühlswelt ein, um vom Leben zwischen zwei Welten, aber auch vom Verschwinden von Heimat zu erzählen und „saudade“ erfahrbar zu machen.


Preise:
Best Student Documentary, IDFA 2019; JAN Award in der Studentensektion von der ASBH (Association of Cinematographers in Bosnia and Herzegovina) 2019


Jeweils etwas mehr als eine Stunde dauern die wöchentlich stattfindenden „Ateliers de conversation“ in der Bibliothek des Pariser Centre Pompidou. Zielgruppe sind Menschen, deren Muttersprache nicht Französisch ist und die diese Sprache aber praktizieren wollen. Und so treffen hier in einem Glaskubus mit orangefarbenen Plastikstühlen, Woche für Woche, Menschen aus aller Herren Länder und aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kontexten aufeinander. In – locker moderierten – Diskussionen werden Stereotype, kulturell geprägte Geschlechterrollen, emotionale Zerrissenheit oder die Frage nach wahrer Liebe verhandelt. Letztlich geht es aber um „compréhension“, einen Begriff von wunderbarer Doppeldeutigkeit, nämlich um Verständlichkeit wie auch um das Verstehen, Begreifen. Bernhard Braunstein entscheidet sich für eine minimalistische Form: Menschen reden, Menschen hören zu und reagieren, mimisch oder verbal. Die Kamera bleibt dabei immer auf gleicher Distanz, in der Mitte des Gesprächskreises, auf Augenhöhe. Und so entsteht vor unseren Augen ein kleiner utopischer Raum, in dem Kommunikation zu gelebter Demokratie wird.

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Preise:
Spezialpreis der Jury, Karlovy Vary International Film Festival 2017; ARTE-Dokumentarfilmpreis, Duisburger Filmwoche 2017


„Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht“. Vier Münchner Jurastudierende stehen vor der Aufgabe, diese Aussage rechtlich zu unterfüttern, denn Spionage wie auch staatliche Massenüberwachung sind international gesetzlich nicht geregelt. Die vier angehenden Juristen sind Teilnehmer des Jessup Moot Court, des renommiertesten internationalen Wettbewerbs im Völkerrecht. Der Film begleitet das Münchner Team über ein halbes Jahr in ihrem Ringen um die besten Argumente und den überzeugendsten Auftritt. Denn am Ende müssen sie als Anwälte ihre Positionen vor hochkarätig besetzen Richterbänken souverän und eloquent verteidigen. Dabei stoßen die vier immer wieder an ihre Grenzen und wachsen über sie hinaus. Es ist ein Wettstreit der präzisen Worte und stichhaltigsten Plädoyers - ein spannendes Planspiel auf der Probebühne des internationalen Rechts.

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In diesem Jahr vergibt die Jury den mit 2000 Euro dotierten Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling sowie einen Kurzfilmpreis in Form eines Sachpreises von der Gruppe 3. Der Bürgerpreis in Höhe von 750 Euro wird in guter Tradition von unserer "Schülerjury" vergeben.

Musikalisch dürfen wir uns an diesem Abend auf die "Levantinos" freuen.

Anläßlich der Preisverleihung zeigen wir außerdem den am Gymnasium Bruckmühl entstandenen Kurzfilm, der im Rahmen unseres "Junge-Doks" Programms von der Nonfiktionale begleitet wurde.

 

Kilometer 30,29

D 2019, 5 Min.

Regie: Sarah Kuchelmeier, Sandra Stadler
Kamera: Alexander Basan, David Spänkuch
Schnitt-Regie: Tobias Radzey
Produktion: Jessica Cassdorf, Alexander Stiebn
Storyboard: Noah an der Lan, Laura Würmüller, Korbinian Kriner
Licht: Nicolas Schraml
Ton: Mika Müller
Postproduktion: Elias Hoika, Hugo Körber
Nachgesprochen von: Lucia Berberich

Ein Film des P-Seminars "Dokumentarfilm", Gymnasium Bruckmühl

Betreuung: Stephanie Keller-Tönse, Bernhard BindlProjektbetreuung Nonfiktionale: Boris Tomschiczek

Wenn jemand sich nicht hundertprozentig auf seine Arbeit konzentriert, von dieser aber viele andere Leute abhängen, so kann das schreckliche Folgen haben. Das Zugunglück in Bad Aibling, welches sich am 9. Februar 2016 ereignete und dessen Folgen immer noch zu spüren sind, wäre einfach zu vermeiden gewesen. In dem Kurzfilm schildert eine Betroffene ihre Eindrücke und Gefühle. Außerdem geben zwei Einsatzhelfer einen kurzen Einblick in die Unfalllage aus ihrer Sicht.

Dieser Film wurde im Gedenken der Opfer und ihren Angehörigen gedreht.